Kunst im öffentlichen Raum zwischen Palmbach und Grünwettersbach

Der Skulpturenpark Wettersbach befindet sich im Grünzug zwischen den Karlsruher Höhenstadtteilen Palmbach und Grünwettersbach. Er liegt entlang des Fuß- und Radwegs nahe der Landesstraße L 623 und verbindet auf besondere Weise zeitgenössische Kunst, Landschaft und lokale Geschichte.

Der Park ist frei zugänglich und als dauerhafte Einrichtung für Kunst im öffentlichen Raum konzipiert. Ziel ist es, Kunst außerhalb geschlossener Räume erlebbar zu machen und zugleich einen Ort der Begegnung, der Bewegung und der Erholung zu schaffen. Ergänzt wird der Skulpturenpark durch Freizeitangebote sowie durch die Anbindung an den Waldenserweg Palmbach, der an die Geschichte der Waldenser erinnert.

Entstehung und Entwicklung

Die Idee zum Skulpturenpark entstand in den 2000er-Jahren aus dem Engagement lokaler Gremien und Vereine, insbesondere des Vereins "Kultart Wettersbach e. V." und der Bergdorfprofis e. V. (früher Wettersbacher Selbständige e. V.) sowie des Ortschaftsrates Wettersbach und der Ortsverwaltung. Der Landschaftsraum zwischen den Ortsteilen sollte aufgewertet und zugleich ein dauerhafter kultureller Akzent gesetzt werden.

Mit der Aufstellung der Skulptur „Zwei Vögel“ im Jahr 2009 begann die Entwicklung des Parks. In den folgenden Jahren wurde der Skulpturenpark schrittweise erweitert. Die Kunstwerke stammen von regional und überregional tätigen Künstlerinnen und Künstlern und unterscheiden sich bewusst in Stil, Material und Aussage.

Die Kunstwerke

In der Reihenfolge von Grünwettersbach kommend in Richtung Palmbach.

„Ruhebank“ – André Bucher (2025)

Im Dezember 2025 wurde der Skulpturenpark um das Werk „Ruhebank“ des Künstlers André Bucher erweitert. Die Skulptur verbindet künstlerischen Anspruch mit praktischer Nutzung: Sie ist zugleich Kunstwerk und Sitzgelegenheit.

Die „Ruhebank“ greift das zentrale Thema des Parks – Entschleunigung und bewusste Wahrnehmung – auf und lädt Besucherinnen und Besucher ausdrücklich zum Verweilen ein. Mit diesem Werk wird der Skulpturenpark nicht nur als Ausstellungsort, sondern als Aufenthalts- und Begegnungsraum weiterentwickelt. Die „Ruhebank“ wurde 1987 in der Kaiserstraße aufgestellt – als Teil des öffentlichen Kunstangebots in der Innenstadt und als Gestaltungselement im Fußgängerbereich.

„warte hier“ – Nino Maaskola (2019)

Die Skulptur fordert durch ihren Titel bewusst zum Innehalten auf. Sie setzt einen ruhigen, poetischen Akzent im Durchgangsraum zwischen den Ortsteilen und lädt zum kurzen Verweilen ein.

„Capoeira“ – Uwe Lindau (2015)

Die Skulptur aus farbig gestalteten Aluminiumflächen ist von Rhythmus und Bewegung inspiriert. Der Titel verweist auf die brasilianische Kampfkunst Capoeira, deren Dynamik sich in der offenen, spannungsvollen Form widerspiegelt. Das Kunstwerk wurde anlässlich des Stadtgeburtstags "300 Jahre Karlsruhe" aufgestellt. 

„Resonanz“ – Jürgen Goertz (2018)

Die Bronzeplastik wurde aus einem Innenraum in den öffentlichen Raum überführt. Ihre abstrakte Form lädt zur stillen Betrachtung ein und thematisiert das Wechselspiel von Raum, Bewegung und Wahrnehmung. Sie war seit 1991 im Hauptgebäude der Volksbank Durlach in der Pfinzstraße aufgestellt und kam dann nach Wettersbach. 

„Zwei Vögel“ – Georg Schalla (2009)

Die großformatige Skulptur bildet den Ausgangspunkt des Skulpturenparks. In abstrahierter Formensprache thematisiert sie Natur, Bewegung und Dialog. Nach einer späteren Restaurierung ist das Werk dauerhaft erhalten und markiert den Beginn der künstlerischen Entwicklung des Areals.

„Steinerner Fluss der Zeit“ – Voré (2022)

Die vielteilige Installation aus Kalkstein stand ursprünglich in einem städtischen Kontext. Im Skulpturenpark thematisiert sie Zeit, Wandel und die Schichtung von Geschichte und Gegenwart. Die Skulptur „Steinerner Fluss der Zeit“ von Voré, 1990 geschaffen, stand zuvor am Vorplatz des Badischen Staatstheaters in Karlsruhe. Dort war sie öffentlich zugänglich, bis sie im Zuge der Theater‑Baumaßnahmen abgebaut und überarbeitet wurde.  

„Findung“ – Laura Danzi (2018)

Aus einem massiven Granitfindling wurde eine archaisch wirkende menschliche Figur herausgearbeitet. Das Werk thematisiert Entwicklung, Selbstfindung und den Gegensatz zwischen rohem Naturmaterial und künstlerischer Gestaltung. Es befindet sich als Dauerleihgabe im Park.


Sport- und Bewegungsangebote im Skulpturenpark Wettersbach

Der Skulpturenpark Wettersbach ist nicht nur ein Ort der Kunst, sondern auch ein freier Bewegungs- und Begegnungsraum für alle Altersgruppen. Neben den Skulpturen laden verschiedene Einrichtungen zu sportlicher Aktivität im Freien ein:

Fitness-Parcours

Der öffentliche Fitness-Parcours, auch als Seniorenspielplatz bezeichnet, bietet fest installierte Trainingsgeräte für Kräftigung, Beweglichkeit und Koordination. Er kann ohne Anmeldung oder Ausleihe genutzt werden und richtet sich an Besucher jeden Alters.

Schachmöglichkeiten

Ein fest installierter Schachtisch ermöglichen das Spielen im Freien und verbinden geistige Aktivität mit Aufenthalt in der Natur.

Bouleplatz

Direkt im Park befindet sich eine Boule-Bahn, die für geselliges Spiel und sportliche Betätigung genutzt werden kann. Besucher können hier in kleinen Gruppen das beliebte Spiel der französischen Kugelbahn ausüben.

Sportbox Wettersbach

Seit September 2025 ergänzt eine Sportbox die sportlichen Angebote des Boulplatzes. Sie befindet sich in der Nähe des Bouleplatzes und des Kinderspielplatzes an der Wiesenstraße. Die Sportbox enthält eine vielfältige Auswahl an Sport- und Spielgeräten, darunter Functional-Training-Equipment wie Kettlebells, Springseile, Balance-Bretter und Koordinationsleiter, sowie klassische Spielgeräte wie Boule-Sets, Tischtennis-Schläger oder Kubb.

Spazierwege

Zusätzlich können die gut ausgebauten Wege zwischen Grünwettersbach und Palmbach für Spaziergänge, Nordic Walking oder Jogging genutzt werden, wobei Kunst und Natur zu einem abwechslungsreichen Bewegungs- und Erholungserlebnis kombiniert werden.

Bedeutung für Ort und Landschaft

Der Skulpturenpark Wettersbach ist heute ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in den Höhenstadtteilen. Er verbindet Palmbach und Grünwettersbach landschaftlich und kulturell, macht zeitgenössische Kunst dauerhaft öffentlich zugänglich. Ergänzt wird der Skulpturenpark durch die Anbindung an den Waldenserweg Palmbach, der an die Geschichte der Waldenser erinnert. 

Durch seine kontinuierliche Weiterentwicklung dokumentiert der Skulpturenpark zugleich einen Teil der jüngeren Ortsgeschichte Wettersbachs und steht für bürgerschaftliches Engagement, kulturelle Offenheit und die nachhaltige Gestaltung des öffentlichen Raums.


Ausführliche Beschreibung der Skulpturen

Reihenfolge von Grünwettersbach kommend in Richtung Palmbach.

Ruhebank – André E. Bucher (2025)

Künstler: André E. Bucher (1924 – 2009)
Material: Metall und Stein
Ursprünglicher Entstehungsort: Karlsruher Innenstadt, Kaiserstraße (ca. 1987)
Neuaufstellung im Skulpturenpark Wettersbach: Dezember 2025

Beschreibung des Kunstwerks

Die „Ruhebank“ ist eine Skulptur, die zugleich als Sitzgelegenheit und künstlerisches Objekt gestaltet ist. Sie besteht aus einer Verbindung von Metall und Stein und hebt sich durch ihre Form und Materialität von gewöhnlichen Bänken ab. Der Hauptkörper der Bank, also die Sitzfläche und das Gestell, ist aus Patinierter Bronze gefertigt. Im Zentrum der Bank ist ein Lava-Gestein eingefasst (oft als Lava- oder Vulkanstein beschrieben), den der Künstler wie ein wertvolles Juwel in die Bronzeform integriert hat.

Das Werk lädt Besucher*innen ein, eine Pause einzulegen, zu reflektieren und den Raum bewusst wahrzunehmen. Als funktionales Objekt steht sie im Spannungsfeld von Alltagsnutzen und künstlerischer Aussage, ein typisches Merkmal von Buchers öffentlicher Kunst.

Historischer Kontext

Die „Ruhebank“ wurde um 1987 in der Kaiserstraße, der zentralen Fußgängerzone von Karlsruhe, aufgestellt. Dort diente sie über viele Jahre als öffentlicher Ruhe- und Begegnungspunkt.

Im Sommer 2008 wurde die Bank aufgrund von Leitungsarbeiten in der Kaiserstraße abgebaut und danach nicht wieder am ursprünglichen Standort aufgestellt. Sie gehörte stets der Stadt Karlsruhe, die Eigentümerin war und ist, und damit zur Sammlung der städtischen Kunst im öffentlichen Raum.

Im Dezember 2025 fand die „Ruhebank“ schließlich einen neuen Standort im Skulpturenpark Wettersbach, wo sie nun als Teil des Parkensembles dauerhaft öffentlich zugänglich ist.

Symbolik und Bedeutung

  • Ruhe, Reflexion und Begegnung: Die Bank symbolisiert die Möglichkeit, im Alltag innezuhalten und Momente der Ruhe bewusst zu erleben.
  • Soziale Interaktion: Als öffentliche Sitzgelegenheit fördert die Bank Begegnungen zwischen Menschen und lädt zum Austausch ein.
  • Kunst im Alltag: Die Integration von Form, Material und Funktion macht die Bank zu einem Beispiel, wie Alltagsobjekte künstlerische Bedeutung erlangen können.
  • Dialog mit Umgebung: Im Skulpturenpark tritt das Werk in Beziehung zu anderen Skulpturen, Wegen und Grünflächen, wodurch ein ganzheitliches Erlebnis von Kunst, Natur und Raum entsteht.

Bedeutung für den Skulpturenpark

Die „Ruhebank“ ergänzt das Ensemble des Skulpturenparks Wettersbach als einzigartiges, funktionales Kunstobjekt. Sie verbindet ästhetische Erfahrung, Nutzbarkeit und soziale Interaktion und bietet einen Einladungspunkt zum Verweilen. Damit unterstützt sie die Philosophie des Parks, Kunst und Natur öffentlich erlebbar zu machen.

Quellen und weitere Informationen

  • Stadt Karlsruhe: Ruhebank für den Skulpturenpark Wettersbach, Pressemitteilung Dezember 2025: karlsruhe.de
  • Stadtwiki Karlsruhe: André E. Bucher – Biografie und Werkübersicht: ka.stadtwiki.net
  • Ortschronik und Skulpturenpark Wettersbach: waldenserweg.de

Warte hier – Nino Maaskola (2019)

Künstler: Nino Maaskola (geb. 1983, Marburg / lebt und arbeitet u. a. in Karlsruhe)
Material: Aluminiumguss
Entstehungsjahr: 2017 (Kunstwerk)
Aufstellung im Skulpturenpark Wettersbach: 19. September 2019

Beschreibung des Kunstwerks

„Warte hier“ ist eine plastische Aluminiumguss‑Installation, die aus drei formalen Blöcken besteht, zwei davon übereinandergestapelt und ein weiterer freistehend. Zusammen bilden sie ein mehrteiliges Ensemble auf einer Grundfläche von etwa vier Quadratmetern. Die markanten, klaren Formen wirken in ihrer reduzierten Gestaltung wie ein Statement der Konzentration auf das Wesentliche: das Material selbst, seine Textur, seine Präsenz und seine Beziehung zum umgebenden Raum.(m.karlsruhe.de)

Die Oberfläche des Werks zeigt feine, subtile Kontraste, die durch den Aluminiumguss entstehen. Die klare, ruhige Formensprache des Ensembles verleiht dem Werk eine stille Präsenz im öffentlichen Raum, die nicht laut wirkt, sondern durch ihre stete Präsenz den Blick der Betrachter:innen auf grundlegende Aspekte von Wahrnehmung, Raum und Zeit lenkt.(m.karlsruhe.de)

Historischer Kontext

Das Werk stammt aus dem Jahr 2017 und wurde im Rahmen des Projekts „Kunst im öffentlichen Raum“ durch den Verein KultArt Wettersbach e. V. initiiert. Die offizielle Enthüllung im Skulpturenpark Wettersbach fand am 19. September 2019 statt und wurde durch den Bürgermeister Dr. Käuflein vorgenommen.(waldenserweg.de)

Nino Maaskola ist ein zeitgenössischer Künstler, der an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe studierte und mehrfach für seine Arbeiten im öffentlichen Raum ausgezeichnet wurde. Sein künstlerisches Arbeiten ist geprägt von klaren, reduzierten Formen und der intensiven Auseinandersetzung mit Material und Raum.(Nino Maaskola)

Symbolik und Bedeutung

  • Titel und Bedeutung: Der Titel „Warte hier“ kann wörtlich verstanden werden als Einladung, einen Ort bewusst wahrzunehmen, anzuhalten und im Moment präsent zu sein. Die Skulptur fordert nicht zur Bewegung auf, sondern zum Verweilen und Wahrnehmen – ein Aspekt, der in einem Kunstpfad im Freien von besonderer Wirkung ist.(kultart-wettersbach.de)
  • Minimalismus und Präsenz: In seiner reduzierten Formensprache verweist die Skulptur auf Grundprinzipien des Minimalismus und der Arte Povera, indem sie mit einfachen, direkten Mitteln eine stille, dennoch kraftvolle Präsenz erzeugt, die zum Nachdenken über Raum und Zeit anregt.(m.karlsruhe.de)
  • Material und Oberfläche: Das Aluminiumgussverfahren lässt Oberflächen entstehen, die je nach Licht und Blickwinkel subtil variieren. Dadurch wird das Objekt nicht als statische Form, sondern als sich ständig wandelnder Begleiter im Raum erfahrbar.(m.karlsruhe.de)
  • Raumbezug und Wahrnehmung: Die Anordnung der drei Blöcke schafft eine Komposition im Raum, die durch ihre Einfachheit den Fokus auf Betrachtung, Konzentration und kontemplative Präsenz lenkt. Dies passt zur Gesamtkonzeption des Skulpturenparks, der Kunst als Erfahrung im Alltag versteht.(m.karlsruhe.de)

Bedeutung für den Skulpturenpark Wettersbach

„Warte hier“ erweitert das Spektrum des Parks um ein Werk, das nicht nur aus dem Zusammenspiel von Form und Material wirkt, sondern zusätzlich eine konzeptuelle Dimension des Innehaltens und der Wahrnehmung vermittelt. Als Teil des Pfades zwischen Palmbach und Grünwettersbach lädt dieses Kunstwerk Besucherinnen und Besucher dazu ein, den Zeitpunkt des Anhaltens bewusst zu erleben – ein Moment, der im städtischen Umfeld oft verloren geht.(waldenserweg.de)

Im Kontext des Parks fungiert „Warte hier“ als ein stiller, aber bedeutender Impuls, der die ästhetische Erfahrung von Landschaft, Kunst und Zeit verbindet. Die Skulptur bildet damit einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Diversität des öffentlichen Raums und zur Verknüpfung von Kunst und Alltag.(m.karlsruhe.de)

Quellen und weiterführende Informationen

  • Stadt Karlsruhe – Kunst im öffentlichen Raum: „Warte hier“, Detailseite zu Material, Größe und Kontext.(m.karlsruhe.de)
  • Waldenserweg / Skulpturenpark Wettersbach – Hinweis auf die Enthüllung am 19. September 2019.(waldenserweg.de)
  • Künstlerprofil Nino Maaskola, Biografische und künstlerische Kontexte.(Nino Maaskola)

Capoeira – Uwe Lindau (2015)

Künstler: Uwe Lindau (1950 – 2022)
Material: farbig gestaltete Aluminiumflächen
Entstehungsjahr: 2014 / 2015
Aufstellung im Skulpturenpark Wettersbach: 12. September 2015

Beschreibung des Kunstwerks

„Capoeira“ ist eine dreidimensionale Skulptur aus farbig bearbeiteten Aluminiumflächen, die auf einer leichten Anhöhe im Skulpturenpark Wettersbach steht. Die Formen durchdringen und überlagern sich, wodurch ein räumliches Gebilde mit dynamischer Wirkung entsteht. Die leuchtenden Farben und die scheinbare Bewegung der Flächen lassen das Werk in steter Interaktion mit Licht, Umgebung und Perspektive wirken. (waldenserweg.de)

Historischer Kontext

Die Skulptur wurde anlässlich der 300‑Jahr‑Feier der Stadt Karlsruhe im Rahmen der Stadtteilprojekte „KA300“ ausgewählt und vom Verein KultArt Wettersbach e. V. der Stadt Karlsruhe gestiftet. Die feierliche Einweihung von „Capoeira“ fand am 12. September 2015 statt, im Beisein zahlreicher Besucher und offizieller Vertreter im Skulpturenpark zwischen Grünwettersbach und Palmbach. (Stadtwiki Karlsruhe)

Uwe Lindau (*1950 in Groß‑Barnitz; † 28. August 2022) war ein in Karlsruhe lebender und international tätiger Künstler, der vor allem für seine expressive figurative Malerei bekannt ist. Er studierte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Markus Lüpertz. Sein Werk umfasst neben Malerei auch Skulpturen und keramische Arbeiten. „Capoeira“ bildet eine wichtige Station in seinem künstlerischen Schaffen in der Region. (Stadtwiki Karlsruhe)

Symbolik und Bedeutung

Der Titel „Capoeira“ bezieht sich auf die gleichnamige brasilianische Kampfkunst und Bewegungskunst, in der Elemente von Tanz, Akrobatik und Musik verbunden werden. Auch wenn die Skulptur keine direkte figurative Darstellung des brasilianischen Capoeira‑Spiels zeigt, ist der Titel Programm:

  • Dynamik der Formen: Die sich überlagernden Aluminiumflächen suggerieren Bewegung, Rhythmus und Energie, ähnlich den fließenden, kreisförmigen Bewegungen der Capoeira.
  • Körperlichkeit und Raum: Die Komposition fordert dazu auf, das Werk aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten – wie in der Capoeira‑Roda, in der sich die Bewegung ständig verändert und neu definiert.
  • Lebendigkeit: Die farbige Gestaltung unterstreicht eine lebendige, expressive Wirkung, die zwischen Bewegung und Stillstand oszilliert. (waldenserweg.de)

Der Titel und die Aktivität der Form bezwecken nicht eine direkte sportliche Darstellung, sondern eine metaphorische Vermittlung von Bewegung, Energie und Rhythmus, was dem Werk seine charakteristische Präsenz im Park verleiht.

Bedeutung für den Skulpturenpark Wettersbach

„Capoeira“ zählt zu den Schwergewichten der Skulpturen im Park und markiert – nach dem ersten Werk „Zwei Vögel“ – eine wichtige künstlerische Erweiterung der Sammlung. Als Geschenk zum 300. Stadtgeburtstag von Karlsruhe ist das Werk zugleich eine städtebauliche Erinnerung und ein Beispiel dafür, wie lokal verankerte Kunstwerke Raum schaffen für Dialog zwischen Kunst, Bewegung und Natur. (Stadtwiki Karlsruhe)

Die Skulptur bildet zusammen mit den anderen Werken im Park – Zwei Vögel, Resonanz, Findung, Warte hier und Steinerner Fluss der Zeit – ein vielfältiges Spektrum zeitgenössischer Kunst, das Besucher*innen einlädt, Kunst im öffentlichen Raum zu erleben und zu reflektieren.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Skulpturenpark Wettersbach – Capoeira von Uwe Lindau: Eintrag im Stadtwiki Karlsruhe. (Stadtwiki Karlsruhe)
  • Waldenserweg.org – Bericht zur Enthüllung von „Capoeira“ am 12. September 2015 im Rahmen des Stadtteilfests. (waldenserweg.de)
  • Uwe Lindau – Biographische Informationen zum Künstler. (Wikipedia)

Resonanz – Jürgen Goertz (2011)

Künstler: Jürgen Goertz (geb. 1949, München)
Material: Bronze
Ursprünglicher Standort: Privatbesitz / Museum Konkrete Kunst, Erlenbach (vor 2011)
Neuaufstellung im Skulpturenpark Wettersbach: 2011

Beschreibung des Kunstwerks

„Resonanz“ ist eine abstrakte Bronzeplastik, deren geschwungene Linien und fließenden Formen den Eindruck von Bewegung und Schwingung vermitteln. Das Werk lädt zum visuellen Dialog ein: Je nach Blickwinkel ändern sich Proportionen und Lichtreflexionen, was die dynamische Wirkung des Materials verstärkt.

Historischer Kontext

Die Skulptur entstand in den frühen 2000er-Jahren und befand sich zunächst im Besitz eines privaten Sammlers. Am Tag der Einweihung im Skulpturenpark Wettersbach (2011) wurde das Werk der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Damit wurde es Teil der Sammlung öffentlich zugänglicher Skulpturen im Park, die Kunst im Alltag erlebbar machen.

Symbolik und Bedeutung

  • Schwingung und Kommunikation: Die Form der Skulptur erinnert an Schwingungen oder akustische Resonanz, ein zentrales Motiv des Künstlers, das Verbindungen und Dialoge symbolisiert.
  • Abstraktion und Interpretation: Die offene Form lässt Vielfalt von Perspektiven zu, sodass Betrachter eigene Assoziationen zwischen Raum, Bewegung und Emotion entwickeln können.
  • Integration in die Landschaft: Die Bronze-Oberfläche reflektiert das natürliche Licht, wodurch die Skulptur mit der Umgebung interagiert.

Bedeutung für den Skulpturenpark

„Resonanz“ trägt zur vielfältigen künstlerischen Erfahrung des Parks bei, indem sie Abstraktion, Bewegung und Interaktion verbindet. Als erstes Werk Goertz’ im Park regt es Besucher*innen zu reflektierenden und sinnlichen Wahrnehmungen an.

Quellen

  • Ortschronik Skulpturenpark Wettersbach: waldenserweg.de
  • Informationen zur Einweihung und Künstler: Stadt Karlsruhe, Kulturreferat

Zwei Vögel – Georg Schalla (1998 / Aufstellung 2009)

Künstler: Georg Schalla (geb. 1947, Müncheln/Geiseltal)
Material: Holz, Farbe und Stahl
Entstehungsjahr: um 1998
Aufstellung im Skulpturenpark Wettersbach: 24. Juli 2009

Beschreibung des Kunstwerks

„Zwei Vögel“ ist eine großformatige Reliefinstallation, die aus zwei expressiven Vogelgestalten besteht. Die Arbeit setzt sich aus Holzflächen, Farbschichten und stählernen Elementen zusammen und hat ungefähre Maße von 400 × 350 × 300 cm. Sie verbindet einfache, archaische Formen mit einer ausdrucksstarken, dynamischen Haltung der dargestellten Vögel. Gerade durch die reduzierte Formensprache und die unaufgeregte Farbgebung entsteht eine unmittelbare Verbindung zur umgebenden Natur. (m.karlsruhe.de)

Das Werk ist bewusst als Vision von Lebendigkeit und Bewegung gestaltet: Die Vogelreliefs scheinen nicht statisch, sondern in einem Moment des Anflugs oder Aufbruchs gefangen – ein Symbol für Freiheit, Naturverbundenheit und Lebendigkeit im öffentlichen Raum. (m.karlsruhe.de)

Historischer Kontext

Georg Schalla, der das Werk um 1998 schuf, ist ein Künstler, der unter anderem an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe studierte und lange in der Region verwurzelt ist. Sein künstlerischer Werdegang umfasst Theatermalerei, bildhauerische Aspekte und experimentelle Arbeiten, die oft zwischen Figuration und Abstraktion oszillieren. (m.karlsruhe.de)

Das Ensemble „Zwei Vögel“ befand sich einige Jahre in Privatbesitz, bevor der Verein KultArt Wettersbach e. V. das Werk erwarb und 2009 der Stadt Karlsruhe als Stiftung übergab. Damit bildet „Zwei Vögel“ das erste Kunstwerk des Skulpturenparks Wettersbach und markiert gleichzeitig den Beginn der Parkgeschichte als Ort für zeitgenössische Kunst im öffentlichen Raum. (Karlsruhe)

Die offizielle Einweihung im Park fand am 24. Juli 2009 statt und gilt als Startpunkt des Skulpturenparks zwischen Grünwettersbach und Palmbach. (Wikipedia)

Symbolik und Bedeutung

  • Vögel als Metapher: Die Darstellung von Vögeln steht klassisch für Freiheit, Bewegung und Perspektivwechsel. In diesem Werk wird diese Symbolik jedoch nicht romantisch verklärt, sondern in ihrer rohen, kraftvollen Essenz wiedergegeben. (m.karlsruhe.de)
  • Bezug zur Landschaft: Durch die archaische Formensprache und die bewusste Materialwahl fügt sich das Werk in die natürliche Umgebung des Parks ein. Die Reliefs stehen im Dialog mit dem Grünraum und wirken wie organische Erscheinungen, die aus dem Gelände herauswachsen. (m.karlsruhe.de)
  • Eröffnungssymbolik: Als erstes aufgestelltes Werk steht „Zwei Vögel“ symbolisch für den Aufbruch des Skulpturenparks Wettersbach – ein Zeichen für kulturelle Öffnung, Engagement und gemeinschaftliche Identität der Höhenstadtteile. (Karlsruhe)

Bedeutung für den Skulpturenpark

„Zwei Vögel“ ist nicht nur ein einzelnes Kunstwerk, sondern ein historisch bedeutsamer Auftakt, der den Skulpturenpark institutionell und künstlerisch begründet. Seine Position am Weg zwischen Palmbach und Grünwettersbach hat den Park von Beginn an als Dialograum von Kunst, Natur und Gemeinschaft etabliert. (Karlsruhe)

Das Werk steht nach wie vor an seinem ursprünglichen Standort im Park, wird aber aufgrund des verwendeten Materials regelmäßig instand gesetzt und restauriert, um es langfristig zu erhalten und für Besucher*innen zugänglich zu halten. Ende 2024 etwa wurden Restaurierungsmaßnahmen geplant und umgesetzt, um die Sicherheit und Substanz der Holzskulptur dauerhaft zu sichern. (Nussbaum)

Quellen und weitere Informationen

  • Stadt Karlsruhe – Zwei Vögel: Offizielle Beschreibung des Kunstwerks im öffentlichen Raum. (m.karlsruhe.de)
  • Ortschronik Skulpturenpark Wettersbach – Institut für Ortsgeschichte, Karlsruhe. (Karlsruhe)
  • Restaurierungsbericht „Kunstwerk ‚Zwei Vögel‘ bleibt erhalten“, Nussbaum Medien, 12.12.2024. (Nussbaum)

Steinerner Fluss der Zeit – Voré (2022)

Künstler: Voré (Volker Erhard, geb. 1941, Karlsruhe)
Material: Kalkstein
Ursprüngliche Entstehung: 1990
Aufstellung im Skulpturenpark Wettersbach: Juli 2022

Beschreibung des Kunstwerks

„Steinerner Fluss der Zeit“ ist eine mehrteilige Kalkstein-Installation, die aus fragmentarischen, teilweise anthropomorphen und architektonischen Formen besteht. Die einzelnen Steine wirken, als seien sie von einem unsichtbaren Fluss bewegt und aufeinander gestoßen. Die Anordnung der Fragmente vermittelt Bewegung, Wandel und den unaufhörlichen Lauf der Zeit.

Besonders auffällig ist eine Pyramidenform, die im Werk integriert ist und einen Bezug zur Stadt Karlsruhe herstellt. Sie erinnert an den historischen Grundriss der Stadt, deren Straßen und Schlossanlage pyramidenartig angelegt sind, und verbindet die metaphorische Darstellung des Zeitflusses mit lokaler Geschichte und Identität.

Historischer Kontext

Das Werk entstand 1990 und wurde zunächst am Vorplatz des Badischen Staatstheaters Karlsruhe aufgestellt. Dort war es Teil des städtischen Programms „Kunst im öffentlichen Raum“ und wurde im Ausstellungskatalog „Skulpturen im Theatergarten“ (1990) neben Arbeiten von Bernhard, Goertz, Hauser und Lüpertz dokumentiert (Kulturreferat der Stadt Karlsruhe, ISBN 3‑923344‑15‑5).

Aufgrund von Bauarbeiten am Theater wurde das Werk 2019 abgebaut, überarbeitet und im Juli 2022 im Skulpturenpark Wettersbach neu aufgestellt. Diese Neuaufstellung ermöglicht es, die Skulptur in einer landschaftlich offenen Umgebung zu erleben, was die metaphorische Wirkung des „Flusses der Zeit“ verstärkt.

Symbolik und Deutung

Zeitfluss und Wandel

Die Skulptur visualisiert den Fluss der Zeit, indem sie die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in Fragmenten darstellt. Die Bruchstücke symbolisieren Ereignisse, Entwicklungen und Spuren, die im Lauf der Zeit entstanden sind – ähnlich wie Gesteinsschichten im geologischen Profil der Erde.

Sinnbild der Stadt Karlsruhe

Lokal wird das Werk als „Sinnbild der Stadt Karlsruhe“ interpretiert. Die Fragmente stehen metaphorisch für die historische, architektonische und kulturelle Entwicklung der Stadt. Die Pyramidenform ist ein Hinweis auf die Stadtplanung rund um das Schloss, wodurch die Skulptur die Dynamik von Stadtgeschichte und urbaner Transformation reflektiert und auch an die Zerstörung und den Wiederaufbau in durch die Kriege erinnert.

Fragmente und Interpretation

Die Mischung aus architektonischen, anthropomorphen und abstrakten Elementen schafft einen offenen Interpretationsraum. Besucher*innen können Assoziationen zu Geschichte, Gesellschaft und städtischer Entwicklung entwickeln, wodurch das Kunstwerk sowohl historische Tiefe als auch zeitgenössische Reflexion bietet.

Verbindung zu Natur und Raum

Im Skulpturenpark Wettersbach entfaltet das Werk seine Wirkung in einer landschaftlich offenen Umgebung. Spazierwege, Grünflächen und andere Skulpturen bilden einen Rahmen, in dem Besucher*innen die Zusammenhänge von Zeit, Raum und Geschichte unmittelbar erleben können.

Bedeutung für den Skulpturenpark

„Steinerner Fluss der Zeit“ ergänzt das Portfolio des Parks als öffentlich zugängliches Kunstwerk, das Kunst, Geschichte und Natur miteinander verbindet. Die Installation lädt zum Betrachten, Nachdenken und Entdecken ein und bietet einen intellektuellen und ästhetischen Zugang zu Karlsruher Geschichte, Metaphern der Zeit und künstlerischer Gestaltung.

Quellen und weitere Informationen


Findung – Laura Danzi (2018)

Künstlerin: Laura Danzi (geb. 1975), wohnhaft in den Karlsruher Höhenstadtteilen
Material: Granit
Aufstellung im Skulpturenpark Wettersbach: 2018

Künstler & Material

Die Skulptur Findung wurde 2018 von der Bildhauerin Laura Danzi geschaffen. Danzi arbeitet bevorzugt mit Naturstein und setzt sich in ihren Arbeiten intensiv mit dem Spannungsfeld zwischen Rohmaterial und menschlicher Form auseinander.
Als Material wählte sie einen massiven Granitfindling, dessen Eigenart, Gewicht und natürliche Struktur bewusst in die Gestaltung einbezogen wurden. Der widerstandsfähige Stein verleiht der Skulptur Dauerhaftigkeit und unterstreicht ihren archaischen Charakter.

Beschreibung des Kunstwerks

Aus dem ursprünglich ungeformten Granitblock ist eine menschliche Figur herausgearbeitet, die stark reduziert und elementar erscheint. Kopf, Rumpf und Haltung sind klar angedeutet, bleiben jedoch abstrahiert und verzichten auf anatomische Details.
Die Figur wirkt ruhig und in sich geschlossen. Sie scheint weniger auf Bewegung ausgerichtet zu sein als auf Präsenz und Standhaftigkeit. Die Oberfläche des Steins zeigt Spuren der Bearbeitung, lässt aber zugleich die natürliche Struktur des Granits sichtbar. Dadurch entsteht ein Wechselspiel zwischen bearbeiteten und roh belassenen Partien, das den Eindruck verstärkt, die Figur sei dem Stein „entnommen“ worden.

Historischer Kontext

Die Skulptur entstand 2018 im Zusammenhang mit dem Skulpturenpark Wettersbach und ist für diesen Ort konzipiert worden. Die feierliche Einweihung fand am 15. Juni 2018 statt. Ein früherer Standort außerhalb des Skulpturenparks ist nicht bekannt.
Der Findling selbst verweist jedoch auf eine viel ältere Geschichte: Granit als Naturmaterial ist Ergebnis geologischer Prozesse über Jahrtausende hinweg. Diese zeitliche Tiefe bildet einen stillen Hintergrund für das zeitgenössische Kunstwerk.

Symbolik und Bedeutung

Der Titel Findung eröffnet mehrere Bedeutungsebenen. Einerseits bezieht er sich auf den Findling als Ausgangsmaterial – einen Stein, der „gefunden“ und weitergedacht wurde. Andererseits beschreibt er den künstlerischen Prozess des Entdeckens einer Form im Material.
Darüber hinaus kann Findung als menschlicher Existenzprozess gelesen werden: das Finden der eigenen Gestalt, Identität und Position zwischen Natur und Kultur. Die archaische Anmutung der Figur erinnert an frühe Kult- oder Erinnerungsfiguren und verleiht dem Werk eine zeitlose, universelle Aussage.

Bedeutung für den Skulpturenpark

Im Skulpturenpark Wettersbach fügt sich Findung harmonisch in die Landschaft ein. Die Skulptur steht nicht im Gegensatz zur Natur, sondern tritt mit ihr in Dialog. Licht, Wetter und Jahreszeiten verändern die Wahrnehmung der Oberfläche und lassen das Werk immer wieder neu erscheinen.
Als ruhiger, konzentrierter Gegenpol zu bewegteren oder abstrakteren Arbeiten im Park lädt Findung zur Besinnung und stillen Betrachtung ein und stärkt den Charakter des Skulpturenparks als Ort der Begegnung zwischen Kunst, Natur und Mensch.

Quellen

  • Informationen zum Skulpturenpark Wettersbach: waldenserweg.de
  • Künstlerinformationen: Laura Danzi,
  • Webseite der Künstlerin

💡 Hinweis für die Webseite:
Mit dieser Gliederung haben alle Skulpturen dieselbe Struktur:

  1. Künstler & Material
  2. Beschreibung des Kunstwerks
  3. Historischer Kontext / früherer Standort
  4. Symbolik und Bedeutung
  5. Bedeutung für den Skulpturenpark
  6. Quellen

 

 

 

 

Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.